"Die spontane Suche nach einer intuitiven Lösung scheitert manchmal - es fällt einem weder eine Expertenlösung noch eine heuristische Antwort ein. In solchen Fällen wechseln wir oftmals zu einer langsameren, wohlüberlegten und anstrengenden Form des Denkens." (Daniel Kahnemann: Schnelles Denken, langsames Denken, 2011) Die Verwendung digitaler Medien erzeugt sowohl schnelles Denken, als auch langsames Denken und verknüpft beide in besonderem Maße miteinander. Denn in einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft gilt es Aufgaben erhöhter Komplexität zu lösen. (Fredmund Malik, Navigieren in Zeiten des Umbruchs: Die Welt neu denken und gestalten, 2015). Die zur Bewältigung dieser Herausforderungen wesentlichen 21st century skills Kommunizieren, Kooperieren, Kritisches Denken und Kreativität (KMK-Papier) stehen im Mittelpunkt digitaler Bildung. In jedem dieser Kompetenzfelder spielen das schnelle, besonders aber auch das langsame Denken eine wesentliche Rolle.

Das Medienkonzept des Johannes-Althusius-Gymnasiums Emden orientiert sich am Leitbild "Zukunft Leben Lernen". Im Schulprogramm heißt es: “Wir fördern mit dem Einsatz zeitgemäßer Unterrichtsmaterialien und Medien einen inhaltlich und methodisch fortschrittlichen Unterricht." Das JAG verfolgt von diesem Grundsatz aus eine integrative Medienpädagogik. Ziel des Konzeptes ist die Vermittlung von Medienkompetenz für die Schülerinnen und Schüler und für die Lehrkräfte. Medienkompetenz wird als Teil der Methodenkompetenz verstanden. Im Schulprogramm ist dazu festgelegt: „Wir vernetzen die pädagogischen Konzepte unserer Schule (z.B. Methoden- und Medienkonzept, Ganztagsschulkonzept) so miteinander, dass Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer einen größtmöglichen Nutzen daraus ziehen können." Daher werden die Medien nicht als Selbstzweck, sondern als Instrumente zur Entfaltung interdisziplinärer Kompetenzen (Information, Recherche, Textproduktion, Aufgabenbearbeitung, Kommunikation, Kooperation, Präsentation, Problemlösen etc.) gesehen.

Die Ausstattung der Schule ermöglicht einen sinnvollen Einsatz der alten und neuen Medien in den Unterricht. Die Schule verfügt in allen Unterrichtsräumen über manuelle Whiteboards, Pinnwände, interaktive Whiteboards, internetfähige Rechner mit Lernsoftware, Dokumentenkameras, WLAN für Lehrende und Lernende und streamingfähige Übertragungstechniken (Miracast, Chromecast). Die Schule verfügt zudem über leistungsfähige Internetzugänge, eine servergestützte Druckerverwaltung und schnelle virtuelle Netzwerke (VLAN). Um die Verfügbarkeit der Systeme zu gewährleistet, stehen 8 Ansprechpartner zur Verfügung. Wir sind darauf ausgerichtet, dass ein schülerorientierter und mediengestützter moderner Unterricht realisiert wird. Das Kollegium des JAG wird regelmäßig in technischen, rechtlichen und pädagogischen Thematiken intern und extern fortgebildet. Die Verfahren der digitalen Datenverarbeitung werden beschrieben und die rechtlichen Vorgaben mithilfe des Datenschutzbeauftragten eingehalten.

Medienkompetenz wird verstanden als Fähigkeit von Lehrenden und Lernenden, für den jeweiligen Lernvorgang die angemessenen Medien auszuwählen, zu nutzen sowie sich deren Möglichkeiten und Grenzen bewusst zu machen. Dies setzt möglichst weitgehende Fertigkeiten in der Nutzung vieler, angesichts ihrer großen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedeutung besonders der neuen Medien voraus. Im Laufe der schulischen Laufbahn ermöglicht das JAG den Lernenden, die notwendigen Fertigkeiten im „handwerklichen“ Umgang mit traditionellen und insbesondere den neuen Medien zu erwerben, die Fähigkeiten in sinnvollen Aufgabenstellungen zu verbessern und den Gebrauch kritisch zu reflektieren. Der Einsatz der neuen Medien ermöglicht große Chancen in der Entwicklung kreativer und medientechnischer Begabungen. Die Möglichkeit zur Nutzung neuer Medien ist teilweise noch sozial unterschiedlich ausgeprägt. Daher bietet das JAG den Lernenden über das Selbstlernzentrum und die IT-Räume den verantwortungsvoll begrenzten Zugang zu den neuen Medien. Der Zugang zu neuen Medien ist in allen Fächern gewährleistet. Besonders in den Fächern Physik, Mathematik und Kunst, sowie in den Arbeitsgemeinschaften (Homepage-AG, Medienscout-AG, Radio-AG, Robotik-AG, Informatik-AG, Mikrocontroller-AG) gibt es ein erweitertes Spektrum an Medien und deren Einsatzmöglichkeiten. Zusätzlich stehen hier z.B. Laptops, das Cassy-System und anderes zur Verfügung. Ferner sind das Forum und die Mensa mit einer modernen Verantstaltungstechnik ausgestattet. Die neuen Medien bieten jedoch nicht nur Chancen, sondern sind auch mit Risiken verbunden. Insbesondere die unstrukturierte Informationsfülle des Internets verlangt Anleitung durch die Lehrenden. Diese thematisieren – insbesondere in den dafür besonders geeigneten Fächern die kritische Reflexion der Mediennutzung, gerade auch in Bereichen der sozialen Kommunikation oder der sinnvollen Freizeitgestaltung. Insbesondere die Medienscouts und das Beratungsteam der Schule leisten hier Unterstützung und Hilfestellung. Das Selbstlernzentrum stellt darüber hinaus kind- und jugendgerechte Medien zur Verfügung. Von grundsätzlicher Bedeutung für die Entwicklung der Medienkompetenz sind einerseits die technische Infrastruktur und mediale Ausstattung der Schule und andererseits die sinnvolle Integration der neuen Medien in das Schulleben, die Curriula und den Unterricht. Auf diesen beiden Säulen basiert das Medienkonzept des JAG.

Das Johannes-Althusius-Gymnasium tauscht sich mit externen Partnern aus, so etwa mit den Kollegen anderer Schulen auf den n-21-Tagungen und durch Veranstaltung von Fortbildungen mit externen Referenten, (wie z. B. mit Herrn M. Fugmann, dem ehemaligen Schulleiter der deutschen Schule im Silicon Valley, der als ständiger Berater für die Weiterentwicklung des digitalen Lernens fungiert). Darüber hinaus arbeitet die Schule mit dem Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit der Hochschule Emden/Leer (Prof. Dr. S. Treichel, Recht in Sozial- und Gesundheitsberufen) und den Medienbeauftragten der Stadt Emden zusammen. Das JAG tauscht zudem Erfahrungen mit benachbarten Schule aus: Zu nennen sind hier das NIGE in Esens, das Ulricianum in Aurich, das Marien-Gymnasium in Jever und die Hermann-Tempel-Gesamtschule in Ihlow

Das JAG verfügt über eine einheitliche Kommunikationsplattform. Hierüber werden Hausaufgaben, Zusatzmaterialien, Handouts zu Referaten, Klausurentermine, Stunden- und Vertretungspläne in digitaler Form zur Verfügung gestellt. Eine effektive Mediennutzung setzt einen qualifizierten Umgang mit den Medien voraus. Basis dafür ist eine Aus- und Fortbildung aller Nutzer der Medien. Dieses geschieht zum einen im Unterricht für die Schülerinnen und Schülern, zum anderen durch interne und externe Schulungen für die Lehrerinnen und Lehrer, in denen die spezifischen Fähigkeiten erweitert und zu vertieft werden können.

In der Arbeitsgruppe "Mediale Nutzung" werden Maßnahmen zum grundsätzlichen Umgang mit digitalen Geräten koordiniert, weiterentwickelt und evaluiert. Die Schulordung regelt die Nutzung von mobilen Endgeräten und Kameras während der Unterrichtszeit. Die Medienscout-AG ist Anlaufstelle für Schüler und Schülerinnen in allen Fragen rund um den - auch privaten - Umgang mit Medien. Individuelle Beratungsmöglichkeiten bietet das Beratungslehrerteam der Schule. Bei Fragen zum Datenschutz steht ein Datenschutzbeauftragter bereit.

Neben dem Erwerb der Fähigkeit zum verantwortlichen Umgang mit Information, Wissen und Medien stehen das Herausbilden der speziellen Kompetenzen Kommunikation, Recherche, Produktion und Präsentation im Focus des mediengestützten Unterrichts. Der spezielle Unterrichtseinsatz der (neuen) Medien, sowohl Hard- als auch Software, ist im Methodenkonzept der Schule und in den fachspezifischen Schulcurricula verankert und wird jährlich aktualisiert. Die Fachgruppen sind mit der fortlaufenden Implementierung digitaler Medien in die Schulcurricula befasst. Leitfächer für die Implementierung sind die Fächer Mathematik, Physik und Kunst, in denen der Einsatz schon seit 2015 eingebettet ist. Im Anhang findet sich eine Übersicht über die Hinweise aus den Schulcurricula der Fächer zum Medieneinsatz im Fachunterricht.

Ferner findet die Implementierung über die Tabletklassen, die seit dem Schuljahr 2017/2018 ab Jahrgang 7 aufsteigend eingerichtet worden sind, statt. Die Schule bietet den Schülerinnen und Schülern Tablets zur Ausleihe über den gesamten Zeitraum, in dem sie die Tabletklasse besuchen, an. Die Kosten werden dabei auf mehrere Schuljahre verteilt und in das "Bücherpaket" integriert. Die Schülerinnen und Schüler können aber auch am BYOD-Verfahren (bringyour-own-device) teilnehmen und eigene Endgeräte einsetzen. Das Konzept für die Arbeit in der Tabletklasse stellt sich wie folgt dar: Dieses Teilkonzept zur Digitalisierung wird während der Arbeit mit der TabletGruppe stetig weiterentwickelt. Die Mitglieder der Tabletgruppe treffen sich dazu zum regelmäßigen Austausch. Pro Schuljahr finden zwei Fortbildungen zu Einsatzmöglichkeiten digitaler Medien im Unterricht für interessierte Kollegen statt. Das "digitale Lernen" ist in der Tabletklasse folgendermaßen strukturiert: Elemente der ersten Lernphase: - Einrichtung der Tablets mit notwendigen Accounts und gängigen Apps (z.B. google docs, Draw Express) an einem Einführungstag - Sicherheit gewinnen: Einführung in den Umgang mit verschiedenen Apps im Verlauf des Unterrichts mit Hilfestellung (z.B. gegliederte Aufgabenstellung) und Einüben des Gebrauchs der Tools - immanente Erprobung der Tauglichkeit bestimmter Apps im Unterricht und Schwerpunktsetzung - unterrichtsbegleitender Kurs zum 10-Finger-Computerschreiben - Erstellung einer digitalen Mappe - Abspeichern von Dokumenten und Produkten - Nutzung von iServ als Lernplattform für Speicherung und Zugriff auf Medien und Material - vorwiegend individuelle Nutzung - Nutzung der Kamerafunktion für Bild und Video - Vorbereitung kooperativer Lernformen mit Hilfe von Dokumenten, an denen gemeinsam gearbeitet werden kann, zunächst vorwiegend in Partnerarbeit - erster Einstieg über die Nutzung von Lernvideos als Zugang zum Unterrichts modell "flipped classroom", z.B. zur Vorbereitung von Experimenten im naturwissenschaftlichen Unterricht Elemente der zweiten Lernphase: - Anwendung komplexerer Arbeitsformen, die Neuerungen im Zugang zum Stoff und zur Erarbeitung bieten: ExplainEverything, flipped classroom, WebQuest - Steigerung des Anteils an Aufgaben, die kooperativ bearbeitet werden - Angebot an Aufgaben mit differenzierterer Aufgabenstellung - Aufgabenstellung ohne Bindung an bestimmte Apps, Auswahl und flexibler Umgang der Schülerinnen und Schüler mit verfügbaren Apps Evaluation und Ausblick für die Arbeit in den Tabletklassen: Erweiterung der Nutzungsmöglichkeiten der Materialien- und Lern-Plattform Perspektivisch: Lernkontrollen am Tablet

Die Medienscout-AG führt Projekte zu den Themen "Sicherheit, Rechte und Pflichten im Netz" in den Jahrgängen 5 und 6 durch. Zum Thema "Medienkompetenz" findet seit 2015 eine Zusammenarbeit mit dem Verein Smiley e.V. aus Hannover statt. In Rahmen dieses Projektes kommen einmal im Jahr zwei Referenten an das JAG. Gemeinsam mit den Kindern aus der Jahrgangsstufe 6 arbeiten sie dabei in einem Workshop zum Thema "gesunder Umgang mit Internet, Computerspielen und Smartphone". Begleitend zu den Workshops findet für die Eltern ein Informationsabend zum Thema "Mediennutzung heute" statt. Ab dem Schuljahr 2018/19 wird der Elternabend auch für die Elternschaft der 5. Klassen angeboten. Seit 2015 wird am JAG im Rahmen der Begabtenförderung eine Film- und Fotowerkstatt für die Jahrgänge 4 bis 6 angeboten. Die SuS lernen Grundlagen der Film und Fotogestaltung und erlangen Kompetenzen im technischen Umgang mit den Geräten ( Fotoapparat, Filmkamera, Handykamera). Seit 2016 werden vom Fachbereich Kunst qualitativ anspruchsvolle Filme, die im Unterricht bzw. in der AG enstanden sind, bei der Auricher bzw. Niedersachsen Filmklappe eingereicht sowie nominiert und prämiert. 2016 erster Platz in der Kategorie Klasse 8 bis 10, 2017 zweiter Platz in der Kategorie Sekundarbereich Klasse 11 bis 13. Der Fachbereich Kunst kooperiert bei dem Projekt "Museumsroboter" mit der Kunsthalle Emden. Gegenstand des Projektes ist das Vernetzen des Klassenraums über einen von den SuS gesteuerten Roboter mit der Kunsthalle. Gefördert wird das Peer Tutoring, indem SuS Ihre Erlebnisse und Erklärungen zu Kunstwerken anderen Klassen per Liveschaltung übermitteln.

Die technische und mediale Ausstattung der Schule wird fortlaufend ergänzt und regelmäßig wird Altes durch Neues ersetzt. Die Medienbildung wird ab dem Schuljahr 2018/2019 im Rahmen des Schulkonzepts "Achtsame Schule" integraler Bestandteil der Klassenlehrerstunden in den Jahrgängen 5 und 6 sein. Die Medienscout-AG plant den Aufbau einer schulinternen Beratungsstruktur durch Schülerinnen und Schüler. Über das Fortbildungsangebot zu den Tabletklassen hinaus ist eine breitere Fortbildung im Kollegium zum Einsatz digitaler Medien insgesamt und zur Medienkritik geplant. Das Medienkonzept wird jährlich auf Aktualität und seine Verzahnung mit dem Schulprogramm überprüft.

Erstellt von Oliver Damm, Patrick Gasch, Ann-Chrisitin Schäfer, Annette Huppert
Stand: Mittwoch, 18.04.2016

Materialien für die Entwicklung von Medienbildungskonzepten:

http://www.nibis.de/nibis.php?menid=3456

Orientierungsrahmen Medienbildung