Eröffnung der Wanderausstellung "Wo sind sie? Kein Mensch verschwindet spurlos"

Eröffnung der Wanderausstellung „Wo sind sie? Kein Mensch verschwindet spurlos“  – eine Kampagne gegen die Gleichgültigkeit - zu besichtigen bis zum 24.8. 2018 am JAG

„Kein Mensch verschwindet spurlos!“ ist das Thema der Ausstellung von Amnesty International, um auf die besonders grausamen Verbrechen des gewaltsamen Verschwindenlassens von Menschen in Mexiko aufmerksam zu machen.

Schülerinnen und Schüler der 7. und 10. Klasse sowie interessierte Besucher hörten den einleitenden Worten von Herrn  Rädisch, Herrn Neumann und Herrn Klebe, engagierten Vertretern der Amnesty – Gruppen Emden, aufmerksam zu, bevor sie selbst einen Blick auf die Ausstellung werfen durften. So erfuhren sie, dass das Verbrechen Menschen einfach verschwinden zu lassen, in Mexiko seit langem tausendfach begangen wird, obgleich Regierung und Parlament das Internationale Abkommen zum Schutz aller Personen vor dem Verschwindenlassen unterzeichnet haben.

Warum werden Menschen Opfer von Verbrechen? Was bedeutet es für die Eltern, Kinder, Ehefrauen und -männer, Freunde und Verwandten, wenn ihre Angehörigen plötzlich verschwunden sind?

Diese Fragen haben sich die Macher der Wanderausstellung von Amnesty International der Länder-Koordinationsgruppe für Mexiko (CASA) gestellt und eine beeindruckende Dokumentation aus Bildern, Schilderungen von traurigen Schicksalen, die leider keine Einzelfälle sind, gestaltet.

Zum Inhalt und zur Geschichte der Ausstellung

Ausgangspunkt für dieses Projekt war das gewaltsame Verschwinden der 43 Lehramtsstudenten von Ayotzinapa aus dem Bundesstaat Guerrero vom 27. November 2014, das vor über drei Jahren weltweites Aufsehen erregte. Bis heute haben die Ermittlungen zu keiner abschließenden Klärung geführt. Im Gegenteil, die Behörden versuchen weiterhin, die Gewalttaten zu verschleiern, bei denen örtliche Polizisten und Kriminelle beteiligt waren.

Stellvertretend für viele andere Opfer steht auch das Schicksal von Fernanda Rubí Salcedo, die in der Nacht vom 27. September 2012 verschwand: Als Araceli Salcedo Jiménez einen Anruf von ihrer Tochter erhielt, wusste sie nicht, dass es der letzte sein würde. Sie gehe in einen Nachtclub, bleibe aber nicht lange, erklärte die damals 21-Jährige ihrer Mutter und beendete das Gespräch mit „Hab dich lieb.“ Rund 15 Minuten später wurde ihre Tochter von vier Unbekannten aus einem Nachtclub verschleppt. Als die junge Frau rief um Hilfe, schritten weder Angestellte, noch Gäste ein. Zurückblieb ihre Handtasche und ein nicht aufgeklärtes Verbrechen.

"Wir sind schon so viele! Wir bilden eine Familie des Schmerzes. Ich wünsche mir, dass wir die Kraft haben, um unsere Kinder weiter zu suchen, weiter nach der Wahrheit zu suchen und Gerechtigkeit zu erfahren".

Lucía Vaca, Chihuahua - ihr Sohn verschwand im Jahr 2011.

„Nichts über den Verbleib unserer Kinder zu wissen, ist wie ein niemals nachlassender Schmerz. Ein Schmerz, der die Familie zerstört. Unser Körper und unsere Gedanken entgleiten uns. Wir sind nicht mehr wir selbst, weil ein Stück unseres Herzens fehlt“

 Abel Harrera Hernández ist Leiter des Menschenrechtszentrums in Tapla, Mexiko.

Mütter, Väter, Töchter und Söhne fordern Gerechtigkeit und wollen die Wahrheit über den Tod ihrer Angehörigen erfahren.

Auf großen Schautafeln behandelt die Ausstellung das Verbrechen in seiner historischen Tiefe und greift Einzelfälle auf, die bis in die Zeit des sogenannten „Schmutzigen Krieges“ (1970er Jahre) zurückgehen. Die aktuellen Daten reichen bis Oktober 2017. Offiziell gelten mittlerweile mehr als 32 000 Personen in Mexiko als vermisst. Viele Menschen verschwinden gezielt, aber häufig ist auch Zufall im Spiel.

Die Ausstellung befindet sich im Forum und 5000er Trakt des JAG. Klassen und das Kollegium sind sehr herzlich zu einem Besuch eingeladen.

Weitere Informationen zur Ausstellung sind unter https://ai-casa.exposure.co/wo-sind-sie-kein-mensch-verschwindet-spurlos.

E-Mail: mail(at)casa-amnesty.de − Web: www.casa-amnesty.de