Emder Forschungstage: Prof. Dr. Philipp Hübl im JAG

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Mögen Sie Harley Davidson? Dann sind Sie höchstwahrscheinlich etwas weniger weltoffen als andere Menschen. Sie mögen eine bekannte kleine Comic-Katze mit überdeutlichem Kindchen-Schema? Dann wählen Sie bei nächster Gelegenheit wahrscheinlich eher eine progressive Partei. Darauf zumindest lassen die Hauptaussagen des jüngsten Vortrags der Reihe „Emder Forschungstage“ am JAG schließen.

Im trotz Corona-Bedingungen stimmungsvollen Ambiente des Forums referierte am Donnerstag, den 11.11.2021 der Philosoph Prof. Dr. Philipp Hübl im JAG über „Die aufgeregte Gesellschaft“. Zum zweiten Mal konnte der Vortrag nicht nur besucht, sondern auch live am Bildschirm gestreamt werden.

Nach einer Begrüßung und Einführung durch Herrn Dr. Löhdefink erklärte Herr Prof. Hübl anhand unterschiedlicher Erkenntnisse der Moralpsychologie, wie stark unsere Entscheidungen von unseren Grundemotionen beeinflusst sind.

Über den langen Zeitraum der Evolution des Menschen haben sich vorteilhafte Emotionen wie z.B. Angst und Ekel entwickelt, die uns vor Gefahren warnten und das Überleben in gefährlicher Umwelt ermöglichten. Derartige Grundemotionen sind nach Hübl auch heute noch wirksam und haben Einfluss auf unser moralisches Handeln und auf unsere politischen Präferenzen.

Anhand verschiedener Persönlichkeitsmerkmale, z.B. Offenheit und Gewissenhaftigkeit, so erläuterte Hübl kurzweilig, kann bestimmt werden, ob ein Mensch eher progressiv oder eher konservativ eingestellt ist. Diese Persönlichkeitsmerkmale lassen wiederum Rückschlüsse auf bestimmte, z.B. politische Entscheidungen zu. 

Die eindrückliche Zusammenfassung zahlreicher Untersuchungen zu diesem Thema machte sehr schnell klar, dass die NutzerInnen sozialer Netzwerke, die mit ihren Klicks und Likes ihre Vorlieben und Abneigungen direkt und unverfälscht äußern, sich rasch zu gläsernen Menschen machen, deren Persönlichkeitsmerkmale von Algorithmen ausgelesen werden und deren mögliche Entscheidungen so bedenklich voraussehbar sind.

Wohlwollender Beifall und Wortmeldungen (auch aus dem Live-Stream) in der anschließenden Fragerunde zeugten von hohem Interesse der Zuhörer an diesem aktuellen Thema.

Trotz einer anfänglichen Verzögerung, während derer unser Technik-Team kreative Tatkraft und das Publikum lobenswerte Geduld bewies, war die Veranstaltung ein gelungener Abschluss der diesjährigen Emder Forschungstage.

Zum Schluss sei noch die mutmachende Einschätzung Prof. Hübls genannt, dass wir durch unsere Emotionen und Persönlichkeitsmerkmale nicht moralisch determiniert, sondern durchaus in der Lage sind, diese mit der Vernunft zu überschreiben.

Hübl erkennt eine progressive Wende in der Menschheitsgeschichte, wenn sich z.B. der Kreis des Schützenswerten, auf den man sich moralisch bezieht, immer stärker erweitere, z.B. die Familie, den Clan, etc. überschreite und (als weltweiter Trend) vor allem bei den Jüngeren häufig gar die ganze Welt und auch die Natur umfasse. Die Hoffnung ruht also auf den unter 30-Jährigen. Wo wäre sie auch, liebe SchülerInnen, besser aufgehoben als bei euch? 

Hier der Link zum Ansehen.